Triggerpunkte und Dry Needling: Was hinter Schmerzpunkten steckt

Ein Druckpunkt in der Schulter und es zieht bis in den Kopf: was Triggerpunkte sind, was Dry Needling ist, wer es anwenden darf und was du selbst tun kannst.

Verfasst von Alex Lutz

Alex Lutz tastet mit dem Daumen einen Punkt am Schulterblatt einer Patientin ab

Du drückst auf eine Stelle oben an der Schulter, und es zieht bis in die Schläfe. Oder ein Punkt im Gesäß fühlt sich an, als würde er bis in den Oberschenkel ausstrahlen. Solche Schmerzpunkte nennt man Triggerpunkte. Rund um sie fällt oft ein zweiter Begriff: Dry Needling, eine Behandlung mit feinen Nadeln.

In diesem Beitrag erfährst du, was hinter Triggerpunkten steckt, was Dry Needling ist und was die Studien dazu sagen, wer es in Deutschland anwenden darf und was du bei solchen Beschwerden selbst tun kannst.

Was sind Triggerpunkte?

Triggerpunkte sind kleine, druckempfindliche Stellen in einem Muskel. Oft lassen sie sich als verhärteter Strang oder Knötchen ertasten. Wer darauf drückt, spürt meist einen deutlichen, manchmal sehr bekannten Schmerz. Fachleute sprechen von myofaszialen Triggerpunkten, weil Muskel (Myo) und Bindegewebe (Faszie) beteiligt sind.

Typische Stellen sind der obere Rand der Schulter, der Nacken, die Muskeln rund um das Schulterblatt, das Gesäß, die Wade und die Kaumuskulatur.

Was genau in einem Triggerpunkt passiert, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Es gibt verschiedene Erklärungsmodelle, und selbst erfahrene Untersucher finden nicht immer dieselben Punkte. Für dich als Betroffene oder Betroffener ändert das wenig: Der Schmerz ist echt, und er lässt sich gezielt untersuchen.

Warum der Schmerz woanders spürbar ist

Das Besondere an Triggerpunkten: Sie können Schmerzen in andere Körperbereiche übertragen. Ein Punkt im oberen Schultermuskel macht sich zum Beispiel häufig an der Schläfe oder am Hinterkopf bemerkbar. Ein Punkt im Gesäß kann in den Oberschenkel ziehen. Fachleute nennen das übertragenen Schmerz.

Deshalb hilft es oft wenig, nur dort zu behandeln, wo es wehtut. Wer die Stelle findet, von der der Schmerz ausgeht, versteht seine Beschwerden besser.

Wo es wehtut, muss nicht der Ort sein, an dem der Schmerz entsteht.

Wichtig ist die Abgrenzung zu Nervenbeschwerden: Kribbeln, Taubheit oder Kraftverlust gehören nicht zum typischen Bild eines Triggerpunkts. Dann sollte zuerst ärztlich abgeklärt werden, was dahintersteckt.

Schematische Darstellung: Triggerpunkt im oberen Schultermuskel, der Schmerz strahlt hinter das Ohr bis zur Schläfe aus

Wie Triggerpunkte entstehen können

Meist kommen mehrere Dinge zusammen. Häufig beteiligt sind:

  • eine plötzliche oder ungewohnte Belastung, etwa beim Umzug, im Garten oder im Training
  • stundenlang dieselbe Haltung, zum Beispiel am Schreibtisch oder am Steuer
  • Muskeln, die dauerhaft mehr leisten müssen, weil ein anderer Bereich weniger beiträgt
  • Stress und Anspannung, die sich oft in Nacken und Schultern festsetzen
  • zu wenig Schlaf und zu wenig Pausen

Ein Triggerpunkt ist damit oft ein Hinweis darauf, dass ein Muskel über längere Zeit überfordert war. Genau diese Frage, warum er überfordert ist, entscheidet darüber, ob der Punkt nach einer Behandlung wiederkommt.

Was ist Dry Needling?

Beim Dry Needling wird eine sehr feine, sterile Nadel durch die Haut direkt in den Triggerpunkt gesetzt. „Dry“, also trocken, heißt es, weil kein Medikament gespritzt wird. Oft zuckt der Muskel dabei kurz zusammen. Ziel ist, die Spannung an dieser Stelle zu verringern.

Mit Akupunktur hat Dry Needling nur die Nadel gemeinsam. Akupunktur arbeitet mit Punkten aus der traditionellen chinesischen Medizin. Beim Dry Needling richtet sich die Nadel nach der Anatomie, also nach dem tastbaren Punkt im Muskel.

Was sagen die Studien? Einige Untersuchungen zeigen, dass Dry Needling Schmerzen kurzfristig lindern kann. Viele dieser Studien sind allerdings klein und ob die Wirkung länger anhält, ist nicht gut belegt. Die meisten Fachleute sehen Dry Needling deshalb, wenn überhaupt, als Baustein neben Bewegung und Training und nicht als Lösung für sich.

Mögliche Nebenwirkungen: Häufig sind ein Muskelkater-ähnliches Gefühl und kleine Blutergüsse an der Einstichstelle. Selten kann eine Nadel tiefer liegende Strukturen verletzen. Am Brustkorb gehört dazu zum Beispiel die Lunge. Deshalb gehört die Behandlung in erfahrene und dafür zugelassene Hände.

Wer darf Dry Needling in Deutschland anwenden?

Weil die Nadel in den Körper eindringt, gilt Dry Needling in Deutschland als Ausübung der Heilkunde. Anwenden dürfen es Ärztinnen und Ärzte sowie Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker. Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten dürfen es nur, wenn sie zusätzlich eine vollständige Heilpraktikererlaubnis besitzen. Die eingeschränkte, sogenannte sektorale Erlaubnis für Physiotherapie reicht dafür nicht aus, darauf weist auch der Berufsverband Physio Deutschland hin.

Wenn du Dry Needling ausprobieren möchtest, frag deshalb vorher nach der Qualifikation und Erlaubnis der behandelnden Person.

In unserer Praxis bieten wir Dry Needling nicht an. Wir arbeiten an Triggerpunkten ohne Nadel, so wie im nächsten Abschnitt beschrieben.

Wie wir in der Praxis vorgehen

Behandlung der Nackenmuskulatur am Hinterkopf auf der Liege

Am Anfang steht die Frage, woher die Beschwerden kommen. Wir besprechen, seit wann sie bestehen, in welchen Situationen sie stärker werden und was du schon versucht hast. Danach schauen wir uns an, wie du dich bewegst und welche Muskeln mehr arbeiten, als sie sollten.

An den Triggerpunkten selbst arbeiten wir manuell, also mit den Händen. Dabei üben wir gezielten, gut dosierten Druck auf den Punkt aus und verbinden das mit Dehnung und Bewegung. Der Druck ist deutlich spürbar, soll aber auszuhalten sein. Du gibst uns dabei laufend Rückmeldung.

Damit sich dauerhaft etwas verändert, gehört Bewegung dazu: Du bekommst Übungen mit nach Hause und wo es sinnvoll ist, arbeiten wir auf der Trainingsfläche weiter. Dafür haben wir pro Termin 50 Minuten Zeit, in Einzelbetreuung.

Mehr dazu, wie wir grundsätzlich arbeiten, liest du unter Unser Vorgehen. Häufig sitzen Triggerpunkte bei Nackenschmerzen und Schulterschmerzen. Wie Muskeln und Bindegewebe bei Verspannungen zusammenspielen, erklären wir im Ratgeber Warum Verspannungen mehr sind als ein harter Muskel.

Was du selbst tun kannst

Bleib in Bewegung. Wechsle im Alltag öfter die Position, steh zwischendurch auf und bewege Schultern und Nacken locker. Ein Muskel, der stundenlang dieselbe Arbeit macht, wird empfindlicher.

Arbeite sanft mit einem Ball. Leg einen Tennis- oder Faszienball zwischen dich und die Wand, such die empfindliche Stelle und halte dort einen angenehmen Druck, etwa 30 bis 60 Sekunden lang. Atme dabei ruhig weiter. Der Druck darf deutlich spürbar sein, aber nicht stechend. Wird es schlimmer, hör auf.

Nutze Wärme. Eine Wärmflasche oder eine warme Dusche empfinden viele als angenehm, besonders bei Verspannungen in Nacken und Schultern.

Achte auf Pausen und Schlaf. Stress und Schlafmangel machen Muskeln empfindlicher. Kleine Pausen im Alltag sind ein unscheinbarer, aber sinnvoller Baustein.

Kommt der Schmerzpunkt immer wieder, lohnt es sich, die Ursache untersuchen zu lassen, statt nur die Stelle zu bearbeiten.

Häufige Fragen

Ist Dry Needling dasselbe wie Akupunktur?

Nein. Beide arbeiten mit feinen Nadeln, aber nach unterschiedlichen Prinzipien. Akupunktur folgt den Punkten der traditionellen chinesischen Medizin. Dry Needling zielt direkt auf den tastbaren Triggerpunkt im Muskel.

Bietet ihr Dry Needling an?

Nein. In unserer Praxis behandeln wir Triggerpunkte manuell, also ohne Nadel und verbinden das mit Bewegung und Übungen. Wenn du dich für Dry Needling interessierst, achte darauf, dass die behandelnde Person die nötige Erlaubnis hat.

Tut die manuelle Triggerpunktbehandlung weh?

Der Druck ist deutlich spürbar und kann den bekannten Schmerz kurz auslösen. Er soll aber gut auszuhalten sein. Du sagst uns jederzeit, wie es sich anfühlt und wir passen den Druck an. Am Tag danach kann sich die Stelle wie nach einem leichten Muskelkater anfühlen.

Kann ich Triggerpunkte selbst behandeln?

Sanft und in Maßen ja, zum Beispiel mit einem Ball an der Wand. Wenn die Beschwerden trotzdem immer wiederkommen oder stärker werden, sollte jemand schauen, warum der Muskel überlastet ist.

Brauche ich für die Behandlung ein Rezept?

Für Physiotherapie bei uns ja. Bring zum ersten Termin bitte deine ärztliche Verordnung mit.

Nächster Schritt

Deine Situation persönlich anschauen

Ein Artikel kann einordnen, eine Untersuchung ersetzt er nicht. Wenn du wissen willst, was in deinem Fall zusammenwirkt, buche einen Termin. Wir nehmen uns Zeit für Analyse und Erklärung.

Alex Lutz, Physiotherapeut und Personal Trainer
Verfasst und fachlich geprüft von

Alex Lutz

Staatlich anerkannter Physiotherapeut und Personal Trainer.
Inhaber von Physio Human Performance in München-Pasing.

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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden, die neu auftreten oder sich verändern, wende dich bitte zuerst an deinen Arzt.

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